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Die russische Regierung erlaubt ihren Bürgern erstmalig die Erzeugung und den Verbrauch von Strom mit eigenen Anlagen

Die russische Regierung erlaubt ihren Bürgern erstmalig die Erzeugung und den Verbrauch von Strom mit eigenen Anlagen

Ende Dezember 2019 unterzeichnete der russische Präsident Putin das Gesetz zur Mikrogeneration № 471, auf deren Grundlage Bürger und Unternehmen eigene Strom erzeugende und auf den Eigenverbrauch ausgerichtete Anlagen bis zu einer Kapazität von 15 kW bauen und betreiben dürfen, anstatt den Strom vom örtlichen Stromversorger zu beziehen.

Was erlaubt ist, legt das Gesetz in den folgenden Grundsätzen fest:

  • Eine Mikrogenerationsanlage zur Stromerzeugung kann mit jeglichen Energiequellen (Diesel, Benzin, Biomasse, Kohle, Torf, Solarenergie, Windenergie etc.) durch russische Bürger oder von juristischen Subjekten (Unternehmen, öffentliche Träger) betrieben werden.

  • Die installierte Leistung der Mikrogenerationsanlage darf eine maximale Leistungskapazität von 15 kWp nicht überschreiten.

  • Die Mikrogenerationsanlage muss im Eigentum des Benutzers sein und muss auf den Eigenverbrauch (im Haushalt, im Betrieb etc.) ausgerichtet sein.

  • Zu viel erzeugter Strom darf in das örtliche Stromnetz gegen eine Vergütung eingespeist werden. Die örtlichen Stromnetzbetreiber sind verpflichtet, entsprechende Stromkauf- und Stromverkaufsverträge mit den Eigentümern der Mikrogenerationsanlagen abzuschließen und den Strom aus diesen Anlagen in ihr Stromnetz aufzunehmen.

  • Nur bei Einfamilienhäusern dürfen die Anlagen errichtet werden, nicht bei Mehrfamilienhäusern.

Obwohl das Gesetz bereits verabschiedet ist entfaltet es noch keine praktische Wirkung, denn es fehlen noch zwei technische Regelungen, die zur Umsetzung des Gesetzes benötigt werden: Erstens existieren noch keine offiziellen technischen Regeln für den Anschluss der Mikroerzeugungsanlagen an das örtliche Stromnetz. Zweitens fehlen standardisierte Prozesse zur Erfassung der eingespeisten Elektrizitätsmengen durch den Netzbetreiber vor Ort. Beide Reglungen sollen in 2020 mittels einer separaten Verordnung des russischen Energieministeriums festgelegt und verabschiedet werden. Darüber hinaus ist noch nicht vollständig klar, ob der Tarif für den ins Netz eingespeisten Strom revidiert wird: Zurzeit liegen die Kosten für pro kWh aus Mikroerzeugungsanlagen auf dem Niveau des Großhandelsstrompreises, der in der Regel 2 Rubel/kWh nicht übersteigt. Gleichzeitig zahlt der Verbraucher beim Kauf von Strom aus dem Netz einen Tarif, der zwei- bis mehrfach höher ist als der Großhandelspreis. Dieser Anteil wirkt sich negativ auf die wirtschaftliche Machbarkeit von Kleinerzeugungsanlagen aus. Er macht sie nur für Verbraucher attraktiv die unter zu schlechter Qualität der Netzversorgung leiden und für eine bessere Versorgung auf die eigene Erzeugung umsteigen müssen, unabhängig vom „grünen Tarif". Die Verbreitung und die Popularität von Kleinstgeneratoren in der Bevölkerung und in kleinen Unternehmen würde durch eine Überprüfung der Strom-Kaufpreise profitieren. Zum Vergleich: In Deutschland ist der Tarif für die Einspeisung von Energie aus privaten Solaranlagen über die Jahre hinweg leicht gesunken, im März 2020 erreichte er 0.079 €/kWh (ca. 7 RUB/kWh zum Satz von 88 RUB/ EUR) für Aufdach-Photovoltaikanlagen bis 10 kW. Die Verfügbarkeit eines wettbewerbsfähigen Tarifs hat es mehr als 1 Million Haushalten in Deutschland ermöglicht, die Dächer ihrer eigenen Häuser mit Solaranlagen auszustatten.

Das Gesetz № 471 ermöglicht es erstmalig auch kleinere dezentrale PV-Systeme mit Netzanschluss in Russland zu installieren. Dies könnte einen großen Durchbruch in der Entwicklung der Solarenergie in Russland darstellen. Denn wie in vielen anderen Ländern werden jetzt auch russische Haushalte und private Hausbesitzer dazu in der Lage sein, einen Teil oder sogar ihren gesamten Strombedarf mit grünen Technologien selbst zu erzeugen. Mit einer 15 kW PV-Anlage kann man – über das Jahr betrachtet – den gesamten Strombedarf eines privaten Haushaltes, eines kleinen Unternehmens, oder zum Beispiel in einem kleinen Kindergarten decken. Man spricht hierbei von einer „bilanziellen Deckung“ des Strombedarfs, da die Solaranlage nur Strom produziert solange die Sonne scheint. Der überschüssige Strom, der tagsüber generiert und in das örtliche Stromnetz eingespeist wird, erzeugt eine positive Bilanz (Stromüberschuss), die Abends und Nachts wieder ausgeglichen wird, wenn Strom wieder aus dem Netz bezogen werden muss.