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Unsere Projekte: Erster Runder Tisch in Tomsk: Große Potenziale für die hybride Solarstromerzeugung durch Projekte mit Beteilung russischer und deutscher Energieunternehmen

Unsere Projekte: Erster Runder Tisch in Tomsk: Große Potenziale für die hybride Solarstromerzeugung durch Projekte mit Beteilung russischer und deutscher Energieunternehmen

Am 16. Dezember wurde im Rahmen des ENABLING PV-Projekts die erste deutsch-russische Diskussionsrunde zur Anwendung der Solarenergie bei der Energieversorgung privater und gewerblicher Stromverbraucher in der sibirischen Region Tomsk veranstaltet.

An der Veranstaltung nahmen rund 25 geladene EntscheidungsträgerInnen aus der Energiewirtschaft, darunter rund 20 VertreterInnen aus der Region Tomsk und aus Moskau, und fünf VertreterInnen aus Deutschland und der Schweiz, teil.  Auf russischer Seite waren, neben EUROSOLAR Russland als Co-Organisator des Runden Tisches, VertreterInnen der Tomsker Regionalverwaltung für Industrie und Energie, der Far East and Arctic Development Corporation, der Rosseti Sibir PJSC, der Polytechnischen Universität Tomsk, der Russischen Energieagentur des russischen Energieministeriums, der Nationalen Forschungsuniversität MPEI in Moskau,  und von zwei russischen Engineering-Unternehmen anwesend. Auf deutscher Seite nahmen, neben den Co-Organisatoren eclareon, ideas into energy und Bundesverband Solarwirtschaft, die Solar-Engineering-Unternehmen Solar23 und Rolls Royce Solutions sowie das schweizerische Unternehmen Leclanché teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von George Kekelidze, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats von EUROSOLAR Russland.

Nach zwei Impulsbeiträgen der Tomsker Regionalverwaltung und des ENABLING PV-Projektteams, mit Vorstellung unterschiedlicher Kooperationsmöglichkeiten für die Region Tomsk, präsentierten die oben genannten VertreterInnen ihre laufenden Aktivitäten in Tomsk, Sibirien, Fernen Osten und Arktis zum Einsatz erneuerbarer Energien beide Stromversorgungen vor. Es entwickelte sich dabei eine anregende Diskussion unter den Teilnehmenden über die Verbesserung der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Verbreitung erneuerbarer Energien in der Region Tomsk sowie in Sibirien und im Fernen Osten. Außerdem wurde über die Entwicklung gemeinsamer Pilotprojekte im Jahr 2022 gesprochen, um Leuchtturmprojekte auf den Weg zu bringen. Wesentliche Aspekte der Diskussionen waren:

  • Aktueller Investitionsrahmen für den Betrieb von Erneuerbaren-Energien-(EE)-Stromerzeugungsanlagen in der Region Tomsk
  • Möglichkeiten des Einbezugs privater Investoren für die Entwicklung netzunabhängiger Stromerzeugungen in den isolierten Regionen in Sibirien, des Fernen Ostens und der Arktis
  • Attraktivität hybrider EE-Stromsysteme für abgelegene Gebiete in Sibirien und im Fernen Osten
  • Potenzielle Anwendungsbereiche der hybriden EE-Erzeugung für verschiedene Verbrauchertypen in der Region (z. B. Bergbauunternehmen, Siedlungen)
  • Präsentation von Beispielen realisierter hybrider EE-Projekte und Testanwendungen für kleine Windkraftanlagen
  • Fragen der Lokalisierung von RES-Komponenten in der Region Tomsk

Ein wichtiger Aspekt der Diskussionen waren Fragen zur sich immer weiter verbessernden Investitionsattraktivität von EE-Projekten in abgelegenen Regionen. Angesichts der ohnehin schon hohen und ständig steigenden Kosten für Dieselkraftstoff haben die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und in Verbindung damit die hybride Stromerzeugung gute Aussichten in der Region Tomsk und in anderen Regionen Russlands, in denen es ähnliche Schwierigkeiten bei der Stromversorgung schwer zugänglicher Gebiete gibt.

In den Diskussionen wurde jedoch auch darauf hingewiesen, dass es bei der Durchführung solcher Projekte noch eine Reihe von Herausforderungen gibt. Dazu zählen neben den technischen Herausforderungen auch administrative Hemmnisse aufgrund fehlender Initiativen durch den russischen Gesetzgeber zur Unterstützung dieser innovativen Energieversorgungslösungen, wodurch bei privaten Investoren gewisse Risiken für die Projektierung, den Bau und Betrieb dieser Projekte entstehen. Gemeinsame Pilotprojekte sollen helfen diese Barrieren abzubauen.

Es wurde auch darüber diskutiert, dass es in der Breite der energiewirtschaftlichen Akteure noch an Kompetenz und Wissen im Bereich der Hybrid-Erzeugung, der Umsetzung solcher Projekte und der Wartung solcher Kraftwerke mangelt. Das ENABLING PV-Team zeigte sich bereit, die Region bei der Bewältigung dieses Problems zu unterstützen durch Bildungsprogramme zum Transfer des in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland erworbenen Know-hows von deutschen Ingenieurbüros und Installationsunternehmen, die über praktische Erfahrungen mit dem Bau hybrider EE-Systeme in anderen Ländern verfügen. Außerdem sollen bei der Entwicklung von Pilotinstallationen deutsche Unternehmen im Rahmen der Planung, beim Bau und beim Betrieb von EE-Stromerzeugungsanlagen in der Region einbezogen werden.

Zum Abschluss des Runden Tisches wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe zur weiteren Entwicklung der besprochenen ENABLING PV-Initiativen für die Region Tomsk einzurichten. Diese Arbeitsgruppe wird im ersten Quartal 2022  das nächste Mal  tagen und die Entwicklung der Bildungsprojekte und der Pilotinstallationen vorantreiben.