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Solarenergie in Russland und in der Welt: wie man damit Geld verdienen kann

Solarenergie in Russland und in der Welt: wie man damit Geld verdienen kann

RB.RU (RusBase) ist eine unabhängige Technologie- und Wirtschaftspublikation und veröffentlichte im November 2020 einen interessanten Artikel mit verschiedenen Expertenmeinungen zur Entwicklung und den Perspektiven der Solarindustrie in Russland.

Der Anteil der Solarenergie am weltweiten Energiemix beträgt etwa 2.6 %. Zu den führenden Ländern gehören China, Japan, die USA und Deutschland. Der globale Zustrom von Investitionen in dieser Branche ist enorm.

Russland entwickelt auch den Markt für Solarenergie. Bis Ende 2020 sind bereits rund 1.7 GW Photovoltaikleistung im Land in Betrieb genommen worden. Nach Ansicht von Experten hat das Land jedoch ein viel größeres, geradezu riesiges Potenzial, das mit dem aktuellen Marktwachstum bei weitem nicht ausgeschöpft wird.

In einigen nördlicheren Regionen Russlands ist die Sonneneinstrahlung zwar recht gering, aber immer noch vergleichbar mit den Solarstrahlungswerten in Deutschland. Laut Anton Usachev, stellvertretender CEO der Hevel Group, gelten St. Petersburg und das Leningrader Gebiet trotz der im Vergleich zum russischen Süden deutlich geringeren Sonneneinstrahlung immer noch als profitabel für Solarinvestitionen zur Eigenversorgung im Gewerbe, weil diese Regionen recht hohe Stromtarife für gewerbliche Stromabnehmer haben.

Nicht alle Experten sehen die Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Russland positiv. Sergey Pikin, Direktor des Energy Development Fund, ist der Meinung, dass die russischen Technologien nicht gut genug für den Export sind, das Land bereits ein Überangebot an Energie hat und es Probleme mit der staatlichen Finanzierung gibt.

Tatiana Andreeva äußert sich aus Sicht der Erfahrungen mit ENABLING PV positiver. Ihrer Meinung nach deuten die Zahlen auf ein stetes Wachstum der Branche und das steigende Interesse von Investoren hin. Besonderes Augenmerk richtet sie auf die abgelegenen Regionen Russlands, wo sich Solarkraftwerke durch Einsparungen bei Dieselkraftstoff und Logistikkosten am schnellsten amortisieren.

Und inwieweit ist Solarstrom für das raue Klima in abgelegenen Gebieten geeignet? Laut Tatiana Andreeva können Photovoltaikmodule unter solchen Bedingungen sogar mehr Energie produzieren als in der Hitze. Insgesamt bezeichnen die technischen und energiewirtschaftlichen ExpertInnen die folgenden russischen Regionen als die klimatisch und naturräumlich attraktivsten Gebiete für den Ausbau der Photovoltaik: Nordkaukasus, Gebiet Stawropol, Gebiet Astrachan, Gebiet Altai, Gebiet Orenburg, Gebiet Transbaikalien, Sibirien und Gebiet Primorski.

Zunehmend viele Marktteilnehmer in Russland sind an Solarstrom interessiert. Große Energieunternehmen, die PV Parks in ihren Kraftwerks-Mix aufnehmen installieren; große exportierende Industrieunternehmen, die mit PV-Strom Energiebezugskosten einsparen; kleine und mittlere Unternehmen und HaushaltsverbraucherInnen, die das Recht haben, überschüssigen Strom, der von Mikro-Erzeugungsanlagen bis zu 15 kW erzeugt wird, an das Netz zu verkaufen. Ein seit 2020 geltendes Gesetz sieht vor, dass VerbraucherInnen überschüssigen Strom, der durch Solarenergie (und andere erneuerbare Energiequellen) im kleinen Maßstab bis 15 kW vor Ort erzeugt wird, an das Netz verkaufen können. 

Die Entwicklung der Solarenergie in Russland ist aber zugleich nicht unproblematisch. Sergei Pikin weist auf die Verfügbarkeit und die geringen Kosten anderer Energieressourcen hin. Er glaubt auch, dass die Zinssätze für Unternehmen im Land zu hoch sind für CAPEX-intensive Investitionen wie die Solartechnik. Tatiana Andreeva weist auf den Mangel an allgemeinem Wissen zu den am Markt verfügbaren PV-Anwendungen als einen zusätzlichen Faktor hin, der die Entwicklung der Branche verlangsamt.

Ein Treiber für PV-Kraftwerke von ca. 10 Megawatt Leistung ist die Initiative der Regierung zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nach dem Erlass 449 - DPM RES (Capacity Delivery Agreements). Nach Ansicht von Expertinnen hat dieses Programm auch die Grundlage für die Entwicklung der Solarenergie-Industrie in Russland geschaffen, weil die Initiative mit einer „Local Content“ Regelung verknüpft ist, d.h. ein gewisser Prozentsatz der eingesetzten Technik muss aus Russland stammen. „Local Content“ hat regionalökonomisch seine Vor- und Nachteile, die in diesem Artikel jedoch nicht näher beleuchtet werden.